Wer trägt hier was? - Über unsichtbare Selbstverständlichkeiten

Lange habe ich überlegt, worum es in meinem ersten Blogbeitrag gehen soll. Ich lasse mich für viele Dinge begeistern und entsprechend wusste ich natürlich bis heute nicht, wo ich anfangen soll. Heute Morgen, nach einem intensiven Nachrichtenaustausch mit einer Freundin, der sich schon seit Wochen hauptsächlich um ein Thema drehte, hatte ich endlich die zündende Idee. Ich möchte über das Thema Mental Load sprechen. Auch beruflich bewegt mich das Thema schon lange. Sowohl in meiner Festanstellung als auch in meiner Selbstständigkeit habe ich mit vor allem mit Frauen* (überwiegend Müttern) zu tun, die in ihren Familien den Hauptanteil an Aufgaben organisieren und aufgrund gesellschaftlicher Strukturen häufig auf sich allein gestellt sind. Einige davon sind alleinerziehend oder -fühlend. Wobei ich dabei merke, dass „überwiegend Mütter" den Blick etwas verengt. Mental Load ist nicht nur ein Mütterproblem. Auch Singles oder Paare ohne Kinder kennen das Gefühl, wenn unsichtbare Aufgaben häufig bei derselben Person landen. Oft geht es dabei um emotionale Verantwortung - an Termine denken, Konflikte auffangen, Bedürfnisse wahrnehmen, Gespräche initiieren oder dafür sorgen, dass im Alltag alles irgendwie weiterläuft.

Während Frauen früher vor allem auf die Rolle im Haushalt und in der Care-Arbeit reduziert wurden, kommt heute häufig der Anspruch hinzu, zusätzlich beruflich zu glänzen und karrieretechnisch aufzusteigen - und das selbstverständlich auch zurecht. Wie lange mussten Frauen für ihre Rechte kämpfen, um arbeiten gehen zu können? Wie sieht es mit der Renteneinzahlung aus? Wie sichert man sich für den Fall ab, dass man sich doch trennt? Haben nicht alle ein Recht auf berufliche Erfüllung? Und trotz vollem Berufsalltag auf beiden Seiten bleibt der Hauptanteil der Care-Arbeit oft an derselben Person hängen. Gerechtere oder bewusst ausgehandelte Formen von Care-Arbeit stoßen leider auch heute noch häufig auf Unverständnis – egal ob in klassischen Familienmodellen, Patchworkkonstellationen oder queeren Beziehungen.

An dieser Stelle kann Systemische Prozessbegleitung unterstützend wirken. Hier wird ein Raum eröffnet, sich mit seinen Wünschen und Bedürfnissen zu zeigen und in die innere Gefühlswelt einzutauchen. Du kannst mit deinem Anliegen allein kommen, wenn du dich gern sortieren und dir einen empowernden Blick von außen wünschst. Und du kannst mit deiner Beziehungsperson kommen, wenn ihr gemeinsam etwas verändern wollt. Gerade für Partner*innen, die merken: „Irgendwie läuft bei uns gerade etwas schief, aber ich verstehe nicht genau was” - auch für diesen Moment ist Systemische Prozessbegleitung da. Nicht um Schuld zuzuweisen, sondern um gemeinsam sichtbar zu machen, was bisher unsichtbar war und auf dieser Grundlage gemeinsam weiterzuwachsen.

Mein Angebot richtet sich an alle - unabhängig davon, ob du oder ihr Kinder habt, von Geschlecht, Beziehungsform oder Familienmodell. Denn auch in queeren Beziehungen oder moderneren Familienkonstellationen entsteht Mental Load - oft mit dem Unterschied, dass gesellschaftliche Rollenbilder weniger greifen und die Verteilung trotzdem irgendwie geregelt werden muss.

Zum Abschluss - Ein kleines Reflexions-Goodie

Wie viel trage ich? Eine kleine Inventur für dich

Nimm dir 10 Minuten. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Notiere dir bei den Fragen alles, was dir als Erstes in den Sinn kommt.

Haushalt & Alltag

Was läuft bei dir automatisch im Hintergrund - ohne, dass jemand dir zuvorkommt (z.B. Wäsche aufhängen, Geschenk besorgen, Hausmeister anrufen)? Wie viel Raum nimmt das in deinem Kopf ein?

Beziehungen, Freundschaften & Familie

Wer organisiert Treffen oder merkt, wenn jemand gerade nicht gut drauf ist? Gibt es etwas, das du dir wünschst, dass dein*e Partner*in oder andere Personen öfter übernehmen könnten?

Für dich selbst

Wann hast du zuletzt etwas getan, das nur für dich war - ohne schlechtes Gewissen? Was bräuchtest du, damit das öfter passiert?

Zum Schluss

Was möchtest du auf Grundlage deiner Antworten gerne verändern? Was braucht es dazu?